Rund um den Zweiten CSD Lautre · 26. September 2026
Der CSD Lautre versteht sich nicht nur als eintägige Veranstaltung, sondern es gibt auch im Vorfeld zahlreiche Aktionen und Events. Gemeinsam mit Partner*innen aus der Kaiserslauterer Kulturszene entsteht ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm.
Kunst und Events im Kabinett K2
Ausstellung und Events im K2
Bereits im Vorfeld des CSD lädt das Kabinett K2 zur Ausstellung »In Art We Trust« ein. Die Ausstellung bringt die Künstlerinnen und Künstler Fabienne Weber, Morizz und Oliver Breitenbruch zusammen. Zwischen Pop Art, Street Art und figurativer Malerei treffen unterschiedliche künstlerische Perspektiven aufeinander und eröffnen einen Dialog über Vertrauen, Gesellschaft und die Rolle der Kunst. Die Ausstellung ist bis zum 19. September im Kabinett K2 in der Königstraße zu sehen.
Im Rahmenprogramm des CSD Lautre gab es im K2 am 05. September außerdem ein Specialevent mit Zart & Zünftig: Ein Konzert voller Überraschungen. Mit ihrer »Worldwide Jodelfusion« nahmen die beiden Musikerinnen aus Frankfurt am Main ihr Publikum mit auf eine Reise rund um die Welt und zeigten, dass Jodeln viel mehr ist als ein Alpenklischee. Stimme, Akkordeon und jede Menge Kreativität reichen ihnen, um unterschiedliche Kulturen und Klangwelten miteinander zu verbinden. Ein Abend, der perfekt zum CSD Lautre passte: vielfältig und offen für Neues.


Führung mit Sissy im mpk
Auch das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk) beteiligte sich am Rahmenprogramm des diesjährigen CSD Lautre. Am 03. September fand dort erstmals eine LGBTQIA+-Führung statt. Gemeinsam mit Dragqueen Sissy Chanson erkundeten die Teilnehmenden ausgewählte Werke der Sammlung aus einer queeren Perspektive. Die besondere Führung eröffnete neue Blickwinkel auf bekannte Meisterwerke und zeigte, wie vielfältig Kunst gelesen und interpretiert werden kann. Die große Resonanz machte deutlich, wie wichtig solche Angebote für Sichtbarkeit, Austausch und kulturelle Teilhabe sind.

Queeres Kino
Auch das UNION-Studio für Filmkunst ist mit einer queeren Kinoreihe Teil des diesjährigen Rahmenprogramms. In Kooperation mit dem CSD Lautre wird am 16. September um 20.15 Uhr die Berlinale-Produktion »Die Blutgräfin« der Regisseurin Ulrike Ottinger gezeigt.
Zudem läuft der Film »Der Heimatlose« vom 17. bis 22. September an mehreren Abenden im Programmkino.
(Donnerstag 17.09. und Montag 21.09. sowie Dienstag 22.09. jeweil um 19.00 Uhr; Freitag 18.09. und Sa 19.09. jeweils um 20.15 Uhr und So 20.9. um 16.00 Uhr)
Darüber hinaus lädt das Format »America on Screen« der Atlantischen Akademie am 27.09.2026 um 18 Uhr zu einer Vorführung des queeren Filmklassikers »The Wedding Banquet« in Originalfassung mit Untertiteln ein. Gemeinsam ergänzen die Filmabende das Programm um cineastische Perspektiven auf Vielfalt, Identität und gesellschaftlichen Wandel.



Weiteres Programm am Veranstaltungstag 26.09.2026
Andacht in der Alten Eintracht
Zum Rahmenprogramm gehört auch die CSD-Andacht, die am Veranstaltungstag um 11:30 Uhr in der Alten Eintracht am Unionsplatz stattfindet. Bereits im vergangenen Jahr war die Andacht mit einer voll besetzten Stiftskirche ein wichtiger Moment des Innehaltens vor der Demonstration. Auch 2026 sind alle Menschen eingeladen, unabhängig von Religion oder Glaubenszugehörigkeit gemeinsam Kraft zu tanken. Gestaltet wird die Andacht von Pfarrerin Claudia Kettering, Referentin für Frauenarbeit der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft, gemeinsam mit Pfarrerin Susanne Wildberger, Torsten Wilhelm und Tom Rees alias Sissy Chanson.
Während des gesamten CSD steht zudem die Stiftskirche als Ruheraum und Rückzugsort für alle offen.

Aktion »Vielfalt macht stark« von Fotograf Thomas Brenner
Vielfalt ist das, was unsere Gesellschaft stark macht. Unabhängig von Alter, Herkunft, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung, Lebensweise oder persönlichen Fähigkeiten: Jede*r von uns trägt dazu bei, dass unsere Gemeinschaft bunter, offener und lebenswerter wird. Genau diese Vielfalt möchte Fotograf Thomas Brenner sichtbar machen.
Beim CSD Lautre haben Besuchende die Möglichkeit, Teil einer besonderen Foto-Aktion zu werden. Dafür konnten wir den Fotografen und Aktivisten Thomas Brenner gewinnen, der mit seinen eindrucksvollen Portraitprojekten seit vielen Jahren Menschen und ihre Geschichten in den Mittelpunkt stellt.
Von 10:00 bis 22:00 Uhr steht Thomas Brenner in der Fruchthalle bereit, um Menschen zu fotografieren. Zu jedem Portrait gehört ein persönliches Statement, das zeigt, warum Vielfalt für die fotografierte Person wichtig ist.
Inspiriert wurde die Aktion vom Musical »Vielfalt macht stark« der Protestantischen Kita Betzenberg. Darin entdecken Kinder auf einer Reise rund um die Welt, wie bereichernd unterschiedliche Kulturen, Lebensweisen und Perspektiven sein können. Die Botschaft ist klar: Gemeinsamkeiten verbinden, Unterschiede bereichern.
Die Foto-Kampagne wird von der Prot. Kita Betzenberg, der Evangelischen Kirche der Pfalz, dem Projekt »BegegnungsRäume« der Diakonie Pfalz sowie dem Bezirksverband Pfalz getragen. Gemeinsam möchten sie die Botschaft einer offenen und vielfältigen Gesellschaft weit über die Kita hinaus sichtbar machen.

Ausstellung »NANU?«
In der Fruchthalle ist am Veranstaltungstag außerdem die Wander-Ausstellung »NANU? Sexuelle Vielfalt in der Pfalz. Gestern und heute.« zu sehen:
Es dauerte über einhundert Jahre, bis der 1872 eingeführte, menschenverachtende § 175 StGB, der männliche Homosexualität kriminalisierte, im Jahre 1994 endgültig und ersatzlos gestrichen wurde. Seit 2017 gibt es die Ehe für alle. Gleichgeschlechtlich liebende Frauen und Männer können nunmehr heiraten wie heterosexuelle Paare auch. Außerdem wurden die früheren Verurteilungen schwuler Männer laut § 175 StGB aufgehoben. Tausende homosexueller Justizopfer erfahren damit eine späte Rehabilitation, teilweise auch eine Entschädigung.
Die positive rechtliche Entwicklung entspricht jedoch noch nicht einer gesellschaftlichen Gleichstellung: Bis heute existieren in der Gesellschaft, den Medien und in der Schule aufgrund mangelnden Wissens vielfältige Vorurteile und unrealistische Vorstellungen vom Leben lesbischer, schwuler, bisexueller, trans- und intergeschlechtlicher Menschen.
Die Themen »lesbisch-schwul-bi-trans-intergeschlechtlich-queer« (LSBTIQ) erleben derzeit einen intensiven Diskurs. Doch sexuelle und geschlechtliche Vielfalt ist kein neues Phänomen, sondern existiert schon immer und überall. Jede Region hat dazu ihre eigene Geschichte, die jedoch bisher kaum erforscht ist. Die Wanderausstellung NANU?* beleuchtet die Entwicklungen und regionalen Besonderheiten in der Pfalz.
Das Projekt ist eine Spurensuche zu historischen Entwicklungen und zur Alltagskultur – von der Verfolgung bis zur Emanzipation. Da Wissen Akzeptanz schafft, trägt die Ausstellung durch Aufklärung zum Abbau von Ablehnung und Ausgrenzung sowie zur Entwicklung eines offenen und respektvollen Umgangs miteinander bei.
Projektträger der Aussstellung sind das Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde (Kaiserslautern), das Stadtarchiv- / das Stadtmuseum und der Historische Verein Zweibrücken
Konzept, Recherchen, Texte
- Dr. Charlotte Glück, Stadtmuseum Zweibrücken
- Dr. Sabine Klapp, IPGV Kaiserslautern
- Wolfgang Knapp M.A., Kulturwissenschaftler
- Dr. Christian Könne, Historiker
Aftershow
Nach Demonstration, Literaturfestival und Bühnenprogramm zieht der CSD Lautre weiter ins Nachtleben: Ab 23 Uhr steigt im sukura99 die offizielle Aftershowparty. Der Subkultureller Raum Kaiserslautern e.V. lädt dazu ein, den CSD gemeinsam auf der Tanzfläche ausklingen zu lassen und bis in die Nacht hinein zu feiern.